Literarische Gruppe Osnabrück e. V.

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Verbannung des Bösen

Auf dem einsamen Landsitz, wo ich seit vielen Jahren lebte, trafen spät nachts drei Freunde aus der Großstadt ein.

Im Auto brachten sie die Leiche eines Verbrechers mit. Es handelte sich um einen überaus gefährlichen Mann, der unser Leben bedroht hatte und den wir mit Hilfe eines sehr gewagten Planes zu Fall brachten.

Wir mussten uns vor dem Verbrecher und seinen Absichten schützen und mussten für unseren Überlebenskampf alle erdenklichen Mittel einsetzen. Doch fühlten wir uns auch verpflichtet, dafür zu sorgen, dass andere in Zukunft vor ihm sicher waren.

So zerrten wir die Leiche aus dem Kofferraum, um sie hinter meinem Haus auf freiem Feld zu verbrennen. Denn es genügte nicht, sie irgendwo einzugraben oder in einem Teich zu versenken; denn kein Teich, kein einsames Grab und keine abgelegene Schlucht konnte tief genug sein. Wir wollten die Leiche einäschern und restlos vernichten, um den Verbrecher für alle Zeiten von der Erde zu verbannen: Nichts durfte übrig bleiben als eine Handvoll Asche, die wir dann in alle Himmelsrichtungen auseinanderfegen wollten.

Hinter dem Haus versammelten wir uns um den Toten, übergossen ihn mit Benzin und entzündeten das Feuer. Als hätten sie ihn schon erwartet, schlugen die Flammen wie weiße Zungen durch den Körper und bohrten eine helle Schneise in die Nacht.

Alles weitere, so dachten wir, brauchten wir nur dem Feuer zu überlassen.

Doch wir täuschten uns: Allzu schnell sackte der gewaltige Feuerball wieder in sich zusammen - der schwere, sandige Boden schien die Flammen zu verschlucken, bald loderten sie nur noch flach auf.
Mit wenigen Handgriffen hatten wir es hinter uns bringen wollen; nun geriet alles zum Kampf auf Biegen und Brechen. Ein paar Spritzer Benzin genügten nicht mehr, und so mussten wir Zeitschriftenbündel und Altpapier aus dem Haus herbeischaffen, um das Feuer am Leben zu erhalten. Schließlich steckten wir alles Brennbare zwischen das Gerippe, was uns in die Finger kam: Klopapierrollen, Schallplattenhüllen, einen zerlegten, grün lackierten Küchenstuhl und sogar eine Tüte Corn Flakes samt Inhalt, der zwischen den Eingeweiden knisterte.

Erst am Morgen, als wir fast alles Brennbare aus dem Haus geholt hatten, war der Tote eingeäschert, und wir ließen das Feuer erlöschen.

Nun war es an mir, die Stätte gründlich auf kleine Reste hin abzusuchen, um auch sie noch zu verbrennen und dann die Asche zu beseitigen.

Aber als ich mit meinen Fingern durch den rußgeschwärzten Boden fuhr, überfielen mich wieder Zweifel; Zweifel, die mir schon nachts gekommen waren, während wir rastlos an den Flammen gearbeitet hatten.

Als uns der Verbrecher in die Falle ging und wir ihn töteten, war ich mit dabei gewesen. Wir hatten getan, was getan werden musste. Nun aber, vor diesen allerletzten Handgriffen, die doch so gering waren verglichen mit dem, was hinter uns lag, schreckte ich zurück.

Im Sandboden fand ich tatsächlich verkohlte Reste, die das Feuer übergangen hatte: einen gekrümmten Finger und eine Knochenstange aus Rückenwirbeln.

Ich hielt sie lange in den Händen und betrachtete sie. Dann steckte ich sie in meine Hosentaschen, fegte mit dem Besen über die Asche und ging ins Haus, wo ich die schwarzen Knochen vor meinen Freunden verbarg. Und beschloss, sie für die Zukunft aufzubewahren.

Vielleicht würden künftige Generationen einmal die nötigen Technologien entwickeln, um früheres Leben ins Dasein zurückzurufen. Ihnen und ihren Laboratorien wollte ich diese verkohlten Reste überlassen - denn sie sollten selbst entscheiden, ob auch diese Kreatur wieder einen Platz in der Welt finden durfte.

 

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