+++ „Liebe, Witz & leise Töne“: Lesung mit Ulrike Noltenius und Anne Wicker am 6.10.2017 +++

ULRIKE NOLTENIUS

Ulrike NolteniusDie Schriftstellerin Ulrike Noltenius, geboren in Hildesheim, aufgewachsen in Bremen, schreibt Lyrik und Prosa in den vielfältigen Formen von Erzählung, Kurzgeschichte, Satire und Kurzdrama. Zahlreiche Veröffentlichungen in Anthologien, Zeitschriften, Zeitungen und im Rundfunk.

1988 erschien unter ihrem damaligen Namen „Mehdi-Irai“ der Kurzgeschichtenband „Die Sache mit Benno“ im Leeden Verlag, und 1989 im gleichen Verlag die Lyrikveröffentlichung „Es läuft querbeet mein Herz.“ Der Gedichtband „Du träumst dir eine Zeile Zeit“ erschien 2016 im Verlag Andrea Schmitz .

Gedichtband "Du träumst dir eine Zeile Zeit"„Die Texte sind voller Überraschungen, skurriler Einfälle und von ungewöhnlichem Sprachwitz: Ein kunstvolles Gewebe von schwarzem Humor und makabrer Ironie, das den Leser sowohl amüsiert als auch nachdenklich stimmt“ beschreibt ein Kritiker den Lyrikband. Und zu den Erzählungen: „Die ‘Helden’ der Kurzgeschichten sind wach, unkonventionell und vielleicht auch ein wenig unbequem. Insgesamt Texte für kreative und vielleicht auch ein wenig aufmüpfige Leser.“

Ulrike Noltenius ist u.a. Mitglied der Gedok (Gemeinschaft deutscher Künstler und Kunstfreunde e.V.), der Literarischen Gruppe Osnabrück sowie des Freien Deutschen Autorenverbandes (FDA), Landesverband Nord.

Mehr über Ulrike Noltenius unter www.ulrike-noltenius.de.

 

Gedichte von Ulrike Noltenius

Danach

Als der Wolf
Auch das letzte
Der Geißlein noch fand
Das im Uhrwerk versteckt
Alte Märchen bewahrt
Sprang die Zeit
Aus dem Takt
Lief der Zeiger
Verkehrtherum

 

Liebestod

Unmäßig wirft der Sommer seine Flammen
Und setzt in Brand den schweren Lindenbaum
Der Stein zerspringt
Und setzt sich neu zusammen
Ein junger Busch verschlingt den Gartenzaun

Der Wald steht Kopf
Kein Stamm kommt je zur Ruh
Die Welt protzt Grün
Die Woge bricht, wird neu und fällt zusammen
Das Meer erstirbt in tausendfachen Flammen

Und du erfrierst, mein Herz, nur du, nur du.

 

Sommer

Der gerade Weg
Der Unvernunft
Der dich beschützt

Die Wolke
Sprunghaft blau
Ins grüne Land

Noch steht
Der Atem tief
Die weiße Braut
Das Lachen hoch
Der Kindheit
Langer Tag

Noch hat
Die Sonne Stand
Und irrt genau

Das Land
Führt weit hinab
Den Weg zum Grund

 

Sinn und Unsinn

Ein Sinn lief sinnend hin und her
Wollt nichts als nur noch sinnen
Stets ging er für sich selbst einher
Er sah und merkte gar nichts mehr
Und mochte nichts beginnen

ie hörte er der Kinder Lärm
Nie sah er Greise lachen
Er spann sich ein und spürt nichts mehr
Mit ihm war nichts zu machen

Da traf er plötzlich einen Mann
Der buntgekleidet flott
Sich Unsinn nannte
Niemand glaubts
Sie schlossen ein Komplott

Herr Sinn nahm Unsinns Kleider an
Herr Unsinn wurde sinnig
Sie tauschten Un und Sinne aus
Und wurden mächtig innig

Seitdem hat Un-Sinn einen Sinn
Und Sinn versteht zu kalbern
Denn Sinn gibt’s ohne Unsinn nicht
Und dies Gedicht ist albern

 

Wenn ich ein Vöglein wär

Wenn ich ein Vöglein wär
Und auch drei Flügel hätt
Gäb ich sie alle dir
Für dein Klavier

Wenn du vier Flügel hättst
Und ich ein Stimmer wär
Stimmt ich sie alle dir
Auf mein Klavier

Wenn ich drei Vöglein wär
Und auch zwei Flügel hätt
Legt ich mich dick und fett
In dein Klavier

Da ich kein Vöglein bin
Und keinen Flügel hab
Auch gar nicht stimmen kann
Nicht einmal mein Klavier

Bleib ich allein im Bett
Finds auch recht nett

 

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